Wen Gott beruft

Wen Gott beruft

Besonders begabte Menschen scheinen oft besonders berufen. Doch beruft Gott nur begabte Leute – oder begabt er gezielt diejenigen, die er berufen hat?

Mit Begabung allein scheint Gottes Berufung nur bedingt etwas zu tun zu haben. Denn wie schon erwähnt, ist jeder Christ dazu berufen, etwas zu sein und nicht nur etwas zu tun. Folglich werden Menschen berufen, die schuldig geworden sind (Matthäus 9, 13) oder solche, die sich plagen und schwere Lasten zu tragen haben (Matthäus 11, 28) – nun wirklich nicht nur die Elite.

Gott beruft also nicht nur die großen Helden. Hierfür findet auch Paulus bemerkenswerte Worte: „Seht doch auf eure Berufung, Brüder! Da sind nicht viele Weise im irdischen Sinn, nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme, sondern das Törichte in der Welt hat Gott erwählt, um die Weisen zuschanden zu machen, und das Schwache in der Welt hat Gott erwählt, um das Starke zuschanden zu machen. (1. Korinther 1, 26-27)

Das bedeutet: Selbst Schwächen, selbst Schuld und Verletzungen disqualifizieren nicht für Gottes Berufung. Wer verletzt wurde und diese Verletzung verarbeitet hat, hat zu diesem Thema mehr zu sagen als jemand, bei dem alles glatt gelaufen ist. Oder wer könnte z. B. Drogenabhängigen glaubwürdigere Hilfe anbieten als jemand, der selbst eine Drogenkarriere mit Absturz, Abhängigkeit und Entzug hinter sich hat? Gott kann gerade die Defizite in meinem Leben durch seine Berufung in Segen verwandeln. Auch meine Schwächen können ein Hinweis auf meine Berufung sein – eine hoffnungsvolle Perspektive.

Das bedeutet nicht zwangsweise, dass jemand mit besonderen Begabungen nicht berufen werden könnte. Aber Gott hat es nicht nötig, sich an menschliche Kriterien und Maßstäbe zu halten. Er beruft sehr souverän und manchmal auch Menschen, die momentan ungeeignet erscheinen – denn er sieht als ihr Schöpfer mitunter Begabungen in ihnen, die andere Menschen noch nicht wahrnehmen. Und natürlich spielt auch die innere Einstellung eines Menschen eine zentrale Rolle. Wer nicht bereit ist, auf Gott zu hören, wird seine Berufung nur schwer finden. Es gilt also, immer offen zu sein für das Reden Gottes.

About the Author Martina

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